German students in turin
Über Turin
Torino ist die Hauptstadt der
italienischen Region Piemonte, welche an Frankreich und die
Schweiz grenzt.
Im 19. Jh. war es auch einige Jahre lang
Hauptstadt Italiens, bevor es von Florenz, später Rom,
abgelöst wurde. Aus dieser Zeit stammen viele der die Stadt
prägenden breiten "Corsi", den von Bäumen gesäumten Straßen.
Torino ist eine schöne Stadt, zeigt aber
weniger die "typische" italienische Bauweise mit kleineren
verwinkelten Straßen, als breite rechtwinklig angeordnete
Straßen und große Paläste.
Der größte Teil der Stadt — Torino ist
die viert größte Stadt Italiens mit knapp einer Million
Einwohnern — liegt links des Flusses Po. An den Hügeln des
gegenüberliegenden Ufers befinden sich weniger dicht bebaute
bessere Wohngegenden (man wohnt "in collina").
Das Politecnico liegt nicht direkt in der
Stadtmitte, ist aber gut mit Bussen zu erreichen.
Zimmersuche
Jetzt mal zu was Praktischerem. Die erste
Hürde, die man üblicherweise überwinden muss, ist die Suche
nach einem Zimmer. Ich hatte Glück und konnte das Zimmer
meines Erasmus-Vorgängers in Turin übernehmen. Muss man
selbst ein Zimmer finden, sollte man dies machen, noch bevor
im September die ersten Italienischkurse für die
Austauschstudenten beginnen. Am Besten aber erst in den
letzten beiden Augustwochen, da vorher sehr viele Italiener
im Urlaub sind.
Man kann sich dabei an das "Ufficio
Accoglienza Stranieri" wenden, die eventuell auch direkt
Zimmer vermitteln können (zumindest haben sie per Aushang
welche für Austauschstudenten gesucht). Sollte das keinen
Erfolg haben, kann man nach Aushängen in den meisten Gängen
des Politecnico oder in den Mensen schauen. Schließlich gibt
es noch ein wöchentliches(?) Anzeigenblatt "Secondamano".
Die Preise liegen ungefähr auf Darmstädter Niveau. Ich habe
beispielsweise für ein (sehr großes) Zimmer in unmittelbarer
Nähe des Politecnico ca. 550DM (280 €) gezahlt. Man kann
aber auch ein Billigeres finden. Häufig teilen sich
italienische Studenten ein Zimmer.
Erste Anlaufpunkte am "Poli" /
Einrichtungen
Das Erasmusbüro (liegt hinter der "Aula Magna").
Hier bekommt man u.a. seine Matrikelnummer und eine Diskette,
auf der ein E-Mail-Programm ist, so dass man seinen
E-Mail-Account (xyz@athena.polito.it) benutzen kann.
Im Erasmusbüro muss man später, vor jedem
Bimester (das Jahr ist in vier Teile unterteilt, die
allerdings länger sind als die zwei Monate wie der Name
suggeriert), die Fächer angeben, die man belegen möchte.
Hat man seine Matrikelnummer bekommen, muss man zur "Secreteria
Studenti" gehen, wo ein Studentenausweis in Form einer
Plastikkarte hergestellt wird. Leider dient diese
Plastikkarte Erasmusstudenten nur als Ausweis; die
Funktionen der Selbstbedienungsterminals sind leider nicht
zu benutzen, da man kein Passwort erhält.
Daher muss man das für jede Prüfung notwendige "Statino"
beim Sekretariat abholen, statt es selbst auszudrucken.
Beim Ufficio Accoglienza Stranieri
bekommt man einige mehr oder weniger interessante Unterlagen
über das "Poli" und Turin. Außerdem erhält man zwei
Bescheinigungen.
Eine für das Büro des "Edisu" (Corso Raffaello
20), eine Art Studentenwerk, wo man seine "Mensakarte"
bekommt.
Die andere Bescheinigung ist für die "ATM", die
Turiner Verkehrbetriebe im Corso Francia 6 (Haltestelle
Statuto). Hier kann man eine Jahreskarte für Busse und Straßenbahnen
kaufen oder eine "Tessera" = Ausweis erhalten, um
Monatskarten für Studenten benutzen zu können. Diese kostet
etwa 15 € und man kann sie in allen "Tabacchi"-, sowie
einigen Zeitungs- und Schreibwarenläden kaufen.
Leider müssen beide Bescheinigungen vorher vom
betreuenden Professor abgestempelt und unterschrieben werden.
Man kann es allerdings erst einmal beim Erasmusbüro
versuchen; das wurde bei mir auch akzeptiert.
Im Corso Einaudi sind mehrere
Copy-Shops. Außerdem gibt es einen (Centro Stampa) auf
dem Unigelände, links neben dem Haupteingang. Häufig kann
man dort Skripte kaufen.
Die Computerräume sind relativ gut ausgestattet,
es gibt aber normalerweise wenige Rechner, mit dem der
Internetzugriff gestattet ist. Für diese muss man sich am
Tag zuvor anmelden. Oder man geht nach 18:30 (Achtung, großer
Andrang!) oder samstags früh hin; dann kann man auf allen
Computern auch surfen. Zusätzlich gibt es für Informatiker
einen anderen Pool ("CCLINF"). Als Erasmusstudent bekommt
man aber eventuell, auch ohne Informatik zu studieren, einen
Account. Dort kann man an jedem Rechner und immer surfen.
Busse /Straßenbahnen
Um noch mal auf den ÖPNV zurück zu kommen: das Straßenbahn-
und Bussystem ist in Turin gut ausgebaut. Die Busse fahren
häufig (zumindest von Montag bis Samstag) und meistens
pünktlich. Zum Politecnico kommt man übrigens mit den Linien
10 (vom Bahnhof Porta Susa), 33 (vom Bahnhof Porta Nuova),
58, sowie 16 (Nebeneingang /Haltestelle Mediterraneo) und 12
(Haltestelle Einaudi).
Essen
Es gibt drei Mensen in Torino. Dem
Politecnico am nächstem liegt die im Corso Lione 6 (?). Sehr
beliebt bei Erasmusstudenten ist auch die in der Via
Principe Amedeo, im Zentrum nahe des Po.
Hat man seine persönliche Chipkarte beim "Edisu" abgeholt,
kann man als Erasmusstudent sehr günstig (3000 lire / 1,5 €)
essen.
Man bekommt einen ersten Gang (meist Nudeln), einen
zweiten (meist Fleisch), eine Beilage (z.B. Salat),
Nachtisch (z.B. Obst), ein Getränk und zwei Brötchen. Man
wird auf jeden Fall (!) satt. Außerdem kann man auf den
ersten oder zweiten Gang verzichten (fragt mich nicht auf
welchen) und dann nur 2000 lire zahlen. Das Essen ist besser
als in den Darmstädter Mensen, die Gerichte kommen aber alle
zwei bis drei Wochen wieder. Abends und am Samstag kann dort
auch gegessen werden. Selbst sonntags/feiertags hat eine der
drei Mensen auf (im monatlichen Wechsel).
Wenn man trotzdem selbst kochen will, gibt es natürlich
Supermärkte, auch einige Discount-Märkte (z.B. Lidl,
IN’s, LD). Die Preise sind ungefähr wie in Deutschland. Außerdem
gibt es jede Menge Märkte (vormittags, außer sonntags,
samstags bis 18:00), mehr als in jeder anderen italienischen
und wahrscheinlich auch europäischen Großstadt. Den größten
Markt findet man auf der Piazza della Republica, die auch
Porta Palazzo genannt wird. Dort in der Nähe findet an
bestimmten Samstagen und Sonntagen im Monat auch ein
beliebter Flohmarkt, der "Balòn", statt.
Im Piemont legt man sehr viel Wert auf
gutes Essen. Vor allem rund um die Consolata (eine Kirche)
gibt es viele schöne Restaurants und Vinerie (Weinlokale).
Besonders erwähnenswert sind die vielen Cafés/Bars
in Torino. Man findet an fast jeder Straßenecke eins. Dort
kann man für wenig Geld (ca. 1 €; im Zentrum eher zu
deutschen Preisen) einen Cappuccino trinken und nebenbei
noch die Zeitung lesen. Wem italienische Zeitungen noch zu
schwer sind, dem kann ich das Café Flora auf der Piazza
Vittorio (Veneto) empfehlen, ganz nah am Po, in dem es auch
einige ausländische Zeitungen, z.B. die FAZ, gibt.
Weggehen
Ganz in der Nähe der Piazza Vittorio liegen die "Murazzi",
DER Ort zum Weggehen abends. Die "Murazzi" sind eine
Ansammlung von Restaurants,
Kneipen
und Discos am Ufer des Pos. Ein Stück weiter am Po, im Parco
del Valentino, liegt das "Imbarchino"; sehr zu empfehlen!
Im Zentrum liegen noch ein paar andere Lokale. Außerdem
liegen weiter außerhalb noch einige Clubs und Lokale. Leider
ist man da aber auf ein Auto angewiesen, da es in Turin
keine Nachtbusse gibt.
Eine wichtige Institution ist auch der "Aperitivo",
zu dem man sich am frühen Abend in den Bars trifft. Dabei
kann man sich, wenn man etwas trinkt (meistens gibt es einen
Mindestbestellwert) mehr oder weniger vollessen (z.B. Panino
Doc, Via delle Science oder L’Obelix auf der Piazza Savoia).
Freizeit
Sport: Ist in Italien teurer. Der Unisport kostet zwar
nicht sehr viel, man muss allerdings vorher beim Arzt eine
Bescheinigung besorgen, dass man Sport treiben kann. Dafür
muss man wiederum mit dem Formular E118 seiner Krankenkasse
zur "Agenzia Sanitá Locale" ASL. Ich kann nicht genau sagen,
wie das geht, da ich es nicht gemacht habe. Man kann
natürlich auch mit Freunden Fußball oder Basketball spielen.
Dafür braucht man dann keine Bescheinigung, muss aber
zunächst einen Platz dafür finden (ist möglich, erfordert
ein wenig Suchen).
In Turin gibt es eine ganze Menge Museen. Absolut
empfehlenswert ist das "Museo Nazionale del Cinema",
untergebracht im Wahrzeichen von Turin, der Mole
Antonelliana. Es ist erst wenige Jahre alt und erinnert an
die Rolle Turins als Filmstadt (vor allem in der Anfangszeit
des Kinos). Gut gefallen hat mir auch das "Museo dell’arte
contemporanea" im Castello di Rivoli, in einem Vorort
gelegen. Ich habe leider nicht das "Museo Egizio" gesehen,
ein Museum über das alte Ägypten, mit dem sich Turin
besonders rühmt. Mit dem "Abbonamento Musei" kann man
so oft man will in alle Museen der Stadt und die umliegenden
Schlösser. Die Karte kostet ca. 15 € für Studenten (Ausweis
vom Poli oder ISIC-Card reicht) und gibt’s in fast allen
Museen.
Von Torino aus kann man schnell ans Meer oder in die
Berge fahren. Die ligurischen Badeorte sind ca. 2 Stunden
mit dem Zug entfernt, Skiorte wie Sestriere oder
Bardonecchia 1 - 1,5 Stunden.
Fazit
Ich bin sehr froh, dieses Erasmus-Jahr gemacht zu haben.
Dadurch habe ich viele Erfahrungen gemacht, die mir nur das
"alltägliche" Leben in dieser Umgebung bieten konnte. Kein
Urlaubsaufenthalt kann das vermitteln. Nicht zuletzt habe
ich mein Italienisch deutlich verbessert. Deshalb kann ich
jedem nur empfehlen, ein Auslandssemester/-jahr zu machen,
egal wo. Aber am Besten natürlich in Torino ;-)
|